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Wasserstrahlschneiden und sonst nichts

: Bystronic


Die Cecon Fertigungstechnik GmbH konzentriert sich voll und ganz auf das Wasserstrahlschneiden – darauf, den Prozess umfassend zu beherrschen. Damit hat sich das österreichische Unternehmen einen Namen als Schneidspezialist gemacht. Die jüngste Investition erfolgte in den ByJet Classic, der erst vor wenigen Monaten im Markt lanciert wurde.

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Die österreichische Cecon Fertigungstechnik GmbH konzentriert sich ganz auf das Wasserstrahlschneiden.

Die österreichische Cecon Fertigungstechnik GmbH konzentriert sich ganz auf...

Gewerbegebiet Krottendorf bei Graz – Cecon steht über dem Tor, in dessen Gebäude die erste Wasserstrahlschneidanlage des neuen Modells ByJet Classic 3015 installiert wird. Im ersten Stock des Büros warten die beiden Firmengründer, Johann Feichter und Ehefrau Helga Feichter-Leitinger. „Als damals die erste Rakete zum Mond geflogen ist, hat mich beeindruckt, dass deren Isoliermaterial mit Wasserstrahl geschnitten worden ist“, erzählt Johann Feichter. Die Idee war geboren – einige Monate intensive Recherche im Internet ergab, dass modernes Wasserstrahlschneiden ein flexibles Präzisionsschneidverfahren für fast alle Materialien ist und dass es einen, angesichts neuer Materialien, wachsenden Markt bedient. Die Recherche ergab auch, dass die Dichte an Wasserstrahlschneidern in Österreich relativ gering ist.

Equipment und Know-how

Bei der Entscheidung für eine bestimmte Maschine waren Präzision und Zuverlässigkeit ausschlaggebende Kriterien. Und weil Bystronic ein weltweiter Anbieter ist, habe man, so Johann Feichter, zu den Schweizern mehr Vertrauen gehabt als zu anderen Anbietern.

Der Byjet 4022 wurde Ende 2004 geliefert – Anfang 2005 startete die Produktion. Bewusst hatte sich Feichter für eine Maschine mit großem Schneidbereich entschieden: Auf dem Byjet 4022 lassen sich Rohmaterialtafeln bis 4.000 x 2.250 mm mit zwei Schneidköpfen bearbeiten. Und weil man sich als Newcomer möglichst breit aufstellen wollte, wurde die Anlage mit Drehachse für die Bearbeitung von Rohren und Profilen sowie mit CNC-gesteuerter Bohrspindel
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Prinzipiell können auf der ByJet Wasserstrahlanlage alle Materialien wirtschaftlich und präzis geschnitten werden.

Prinzipiell können auf der ByJet Wasserstrahlanlage alle Materialien wirtschaftlich...

ausgestattet. Gerade bei Faserverbund- und Schichtwerkstoffen ist Letztere ein nützliches Zusatzelement, mit dem sich so genannte Delaminationen, also das Ablösen einzelner Schichten des Werkstoffs, verhindern lassen.

Die Anfangszeit, so Feichter, sei trotz dieser erstklassigen Ausrüstung hart gewesen. Heute fußt das Geschäft auf einem gut ausgebauten Kundenstamm und einem anerkannten Namen – Neukunden kommen meist über Mundpropaganda. Der ursprüngliche Plan, zu einem späteren Zeitpunkt weitere Trennverfahren anzubieten, wurde mittlerweile verworfen, „weil die Nachfrage nach unseren aktuellen Dienstleistungen stimmt“, erklärt Feichter. Außerdem sei das Know-how, das man über die Jahre aufgebaut habe, entscheidend – denn Wasserstrahlschneiden ist nicht zuletzt wegen der Materialvielfalt im Vergleich zu anderen Trennverfahren komplexer. Jeder Werkstoff verhält sich unter dem Strahl ein wenig anders und so muss entsprechendes Praxiswissen über die Zeit erst aufgebaut werden. „Ein nicht immer einfacher, aber ein sehr interessanter Prozess“, wie Feichter einräumt.

Fast unbeschränkte Möglichkeiten

Erstaunt ist Feichter immer wieder darüber, dass sowohl die Möglichkeiten als auch die Grenzen des Wasserstrahlschneidens selbst unter Werkmeistern noch wenig bekannt sind. So bekomme er immer wieder Anfragen für typische Laserteile – Teile, bei denen eine Randschichtaufhärtung kein Problem darstelle und die mit dem Laser günstiger geschnitten werden könnten. „Wasserstrahlschneiden
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Gründer und Inhaber der Cecon Fertigungstechnik GmbH: Johann Feichter und Helga Feichter-Leitinger.

Gründer und Inhaber der Cecon Fertigungstechnik GmbH: Johann Feichter und Helga...

ist aber gerade dann ideal, wenn thermische Neutralität gefragt ist“, erklärt er.

Wasserstrahlschneiden ist ein kaltes, abtragendes Verfahren, das mit einem auf 3.800 Bar verdichteten Wasserstrahl schneidet. Je nach Härte des Werkstücks wird mit reinem Wasser, beispielsweise bei Schaumstoff, oder mit einem Wasser-Abrasiv-Gemisch geschnitten. Mit einer Geschwindigkeit von rund 300 m/s trifft der 0,8 – 1 mm dicke Strahl auf die Werkstückoberfläche. Trotzdem sind die Reaktionskräfte im Werkstück so gering, dass in vielen Fällen auf ein Spannen der Werkstücke verzichtet werden kann. Entsprechend undeformiert und thermisch unbeeinflusst bleiben die Kanten.

Prinzipiell können auf dem Byjet alle Materialien wirtschaftlich und präzise geschnitten werden – Teile aus dicken und hochfesten Stählen für den Maschinenbau, Edelstahl-, Aluminium- und Kupferteile, Teile aus harten Leichtbauwerkstoffen wie Titanlegierungen, Moosgummiplatten und Kautschukteile, die in bis zu 25 Lagen übereinander geschnitten werden sowie Schaum- und Dämmmaterialien, Pappen, kohlefaserverstärkte Kunststoffe, Verbundmaterialien und Stein.

Gerade bei weichen Materialien, die sich beim Scheren oder Stanzen unter dem Niederhalter zusammenpressen, erhöht das kraftfreie Schneiden mit dem Wasserstrahl die Schnittgenauigkeit. Für sehr harte und spröde Materialien wie CFK, Glas oder Kunststoff, die an den Schnittkanten leicht ausbrechen, ist das Verfahren oft die einzige Möglichkeit.

Alle anfallenden Arbeiten rund um das Schneiden, vom ersten Erstellen
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Die Neue von Bystronic: Wasserstrahlschneidanlage ByJet Classic 3015

Die Neue von Bystronic: Wasserstrahlschneidanlage ByJet Classic 3015

der Programme über die Schneidzeitenberechnung und die Kalkulation bis zur Angebotserstellung und zur Verwaltung der Aufträge, werden im Büro neben der Fertigungshalle von zwei Cecon Mitarbeitern erledigt. „Die Bysoft Software ist der Hit“, sagt Franz Hiden, auf das Bystronic CAD/CAM-Programmpaket angesprochen. Einfach und intuitiv zu bedienen sei die Software – und auch für einen Nichtfachmann schnell zu begreifen. Er kann das beurteilen, er ist gelernter Tischler und kam erst bei Cecon zum Wasserstrahlschneiden. Heute kennt er die Maschine wie kein anderer – das liegt an der intensiven Schulung bei Bystronic und an der systematischen Auseinandersetzung mit neuen Werkstoffen und Schneidaufgaben.

Mit der Zweiten wird’s einfacher

Der Gedanke an eine zweite Anlage lag bereits längere Zeit in der Luft. „Eine zusätzliche Anlage, um parallel zu bestehenden Aufträgen auch Versuche für Neuaufträge oder Einzelteile fahren zu können, macht einfach flexibler“, resümiert Helga Feichter-Leitinger – zumal Terminarbeiten mit knappen Fristen immer mehr zunehmen. Zwei Tage zwischen Auftrag und Lieferung sind nicht selten. Und solche Lieferfristen waren mit nur einer Maschine immer schwerer einzuhalten.

Außerdem würde ein weiterer Byjet die Mitarbeiter noch besser auslasten, denn, so Johann Feichter, Wasserstrahlschneiden sei ein stabiles Verfahren – insbesondere wenn man einen Byjet im Einsatz habe.

Zwischen dem Investitionswillen und der Kaufentscheidung stand jedoch die aktuelle wirtschaftliche Situation.
Wettbewerber mit billigen Maschinen bringen Druck in den Markt, weil sie auch tiefere Preise anbieten. In dieser Situation kam der neue ByJet Classic 3015 für Cecon wie gerufen, weil er günstig in der Anschaffung ist – bei nahezu gleicher Funktionalität bei Standardaufträgen. „Mit dem ByJet Classic können wir den augenblicklichen Druck auf die Margen abfedern und trotzdem in gewohnter Präzision arbeiten. Das ist wirklich der Aufhänger für uns“, sagt Johann Feichter. Zudem ließe sich die Investition wegen des günstigen Preises und der breiten Anwendbarkeit des Maschinensystems schnell amortisieren.

Beim ByJet Classic 3015 wurden die gleichen Komponenten verwendet wie beim Byjet 4022. Die beiden Schneidköpfe sind gleich, die Hochdruckpumpe ist gleich, die Steuerung ist im Prinzip gleich – aber schneller als früher. Nur der Rahmen ist etwas anders, weil die Brücke mit den zwei Schneidköpfen quer zum Becken angeordnet ist und der Arbeitstisch nur für Rohmaterialtafeln bis 3.000 x 1.500 mm angeboten wird. Drehachse und Bohreinheit entfallen – die aber stehen bei Cecon auf dem Byjet 4022 zur Verfügung. Entsprechende Aufträge werden also auf diesem Maschinensystem bearbeitet.

Der ByJet Classic 3015 bietet alle wichtigen Funktionen, alle vorhandenen Programme können genutzt werden und die Bedienung ist durchgängig gleich. Für Johann Feichter ist er deshalb eine ideale, vollwertige Ergänzung, keine abgespeckte Notlösung. Mit der Maschine sehe er die Position von Cecon im Wettbewerb weiter verbessert.

Zum Abholen bereit

Zwei Paletten mit je einer 15 mm dicken Stahlplatte vor der Wasserstrahlschneidanlage: Versuche, Flansche mit dem Laser aus den Platten herauszuschneiden, sind zu erkennen, die Schnittfugen sind verschmolzen – wo sich Teile herauslösen lassen, erinnern die Schnittkanten an Kraterlandschaften. „Wahrscheinlich feuerfestes
Material“, sagt Franz Hiden.

Es ist einer dieser Verzweiflungsaufträge, den er gerade angenommen hat. Eine halbe Stunde später liegen die ersten beiden, wasserstrahlgeschnittenen Flansche auf dem Rahmen der Maschine – saubere, glatte und gerade Kanten, auf 0,2 mm genau im Maß. Franz Hiden startet die Maschine neu – 14 Stunden wird sie durcharbeiten. Es ist Freitagnachmittag – Hiden wird am Abend und in der Nacht per PC und Kamera nachsehen, ob die Maschine noch läuft. Wenn etwas nicht stimmt, wird er zur Werkstatt fahren, das Problem beheben und die Maschine den Auftrag fertig bearbeiten lassen. Samstag früh werden die Teile abgeholt, sie werden gebraucht.
Die österreichische Cecon Fertigungstechnik GmbH konzentriert sich ganz auf das Wasserstrahlschneiden.
Prinzipiell können auf der ByJet Wasserstrahlanlage alle Materialien wirtschaftlich und präzis geschnitten werden.
Gründer und Inhaber der Cecon Fertigungstechnik GmbH: Johann Feichter und Helga Feichter-Leitinger.
Die Neue von Bystronic: Wasserstrahlschneidanlage ByJet Classic 3015


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Mit viel Erfahrung und Know-how in der Automatisierungstechnik und seinen starken Forschungs- und Entwicklungskapazitäten ist MicroStep in der Lage, auch solche Anforderungen von Kunden zu erfüllen, die von anderen, etablierten Unternehmen nicht berücksichtigt werden. Bis dato entstehen bei MicroStep die innovativsten Lösungen durch eine enge Zusammenarbeit mit den Kunden. Stets bereit, deren visionäre Konzepte für ihre Produktionsanlagen in die Realität umzusetzen. Eva Stejskalová, Geschäftsführerin und verantwortlich für die Bereiche Finanzen, Innovation und Software verrät uns, warum MicroStep auch in Zukunft zu einem der Technologieführer in der Schneidindustrie gehört.
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